Jurybegründung
Where to, Miss?

Mit einer jungen Protagonistin, deren persönliche Entwicklung nicht einmal ansatzweise vorauszusehen war, drei Jahre zusammen an einem Film zu arbeiten, ist eine große Herausforderung für eine Studierende an der Filmhochschule. Der dokumentarische Blick der Regisseurin Manuela Bastian richtet sich auf ein großes Land und eine patriarchalisch geprägte Gesellschaft, in der die Vergewaltigung von Frauen trauriger Alltag ist, in der Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer haben. Sie werden ständig angehalten, sich unterzuordnen – zunächst dem eigenen Vater, dann dem Ehemann, dem Schwiegervater und am Ende gar dem eigenen Sohn.
In diesem Kontext entscheidet sich die junge Inderin Devki, Taxifahrerin zu werden. Sie dringt damit in eine Männerdomäne ein und lässt die verkrusteten traditionellen Rollenbilder hinter sich. Devki hat den Wunsch, etwas zu tun, was ihr Freude macht und zugleich anderen Frauen einen Schutzraum beim Taxifahren bietet. Die Kamera begleitet die Protagonistin mit einer verbündeten Nähe und einem besonderen Sinn für das Vermitteln von Stimmungen und Atmosphäre. Devki setzt sich gegen Vorurteile, Ablehnung und Verbote zur Wehr, immer in einer Mischung aus Selbstzweifeln und Verunsicherung, aber auch einem klaren Gespür für ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Der Film macht ihre unermüdliche Energie sichtbar, ihr Leben trotz der Rückschläge, Enttäuschungen und dem wiederkehrenden Gefühl von Ohnmacht selbst in die Hand zu nehmen. Manuela Bastian gelingt es, dass wir Devkis Lage auf sehr vielschichtige Weise mitempfinden können. Immer wieder erleben wir auch Momente von Leichtigkeit und Humor mit ihr. Auf diese Weise kann Devki ermutigend sein für die vielen Frauen, die sich bisher nicht aus ihrem Abhängigkeitsverhältnis gegenüber Männern befreien konnten – wie für diejenigen, die ihren eigenen Traum verwirklichen konnten.
Die Jury zeichnet den Dokumentarfilm „Where to, Miss?“, der sich über das konkrete Beispiel Indien hinaus für die Gleichberechtigung der Frauen und ihre Selbstbestimmung starkmacht, mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis 2016 in der Kategorie Hochschule aus. Der Film behandelt ein noch immer hochaktuelles Thema auf sehr anschauliche Weise und regt das Publikum mit überraschenden Wendungen dazu an, die eigenen Vorstellungen in Bezug auf Rollenbilder genauso zu hinterfragen wie diejenigen über das Land Indien.

 

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Interviews Preisverleihung

Heidi Specogna
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