Jurybegründung
Esperanza 43

Der Titel mag paradox klingen: „Esperanza 43“ auf Deutsch „Hoffnung 43“. Wie kann es Hoffnung geben, wenn 43 jungen Menschen verschwunden sind? Die Bilder der verzweifelten Eltern, die die Fotos ihrer Kinder in der Hand halten, sind um die Welt gegangen. In der Nacht vom 26. auf den 27. September wurden in der mexikanischen Stadt Iguala 43 Studenten der Hochschule von Ayotzinapa von den Schergen eines Drogenkartells und der lokalen Polizei beschossen und verschleppt. Bis heute wurde nicht aufgeklärt, wo die Leichen der jungen Männer sind.
Der Film von Oliver Stiller beginnt mit dem Aufruf für eine Versammlung. Es soll überlegt werden, wie man die Eltern der Opfer unterstützen, sich solidarisch zeigen kann. Ein junger Mann erklärt, dass Studenten dieser Hochschule schon immer ihre Stimme erhoben hätten. Man sieht junge Menschen auf dem Campus reden und diskutieren.
Das Leben geht weiter, scheinen die Bilder von „Esperanza 43“ zu sagen. Doch man spürt den einzelnen Einstellungen und Szenen an, dass der Vorfall das Leben in Iguala grundlegend verändert hat. Die Hoffnung, auf die der Filmtitel anspielt, liegt im Kampf der Eltern um Gerechtigkeit.
Oliver Stiller geht es nicht um eine geschlossene, stringente Erzählung. Wie sollte es auch eine solche geben, wenn eine Ortschaft von einem solchen Verbrechen heimgesucht wurde?
Deshalb sammelt der Regisseur Momentaufnahmen, Stimmungsbilder, Augenblicke, die man sich selbst zusammensetzen kann. Die Kamera hat hier viele Funktionen. Sie ist eine aufmerksame Zuhörerin und Begleiterin. Sie ist Chronistin und ruft Ereignisse wach, die aus unseren Medien längst wieder verschwunden sind. Sie hat aber auch seismografische Fähigkeiten, hält die inneren Beben fest, die den Alltag nach den gewalttätigen Ereignissen noch immer bestimmen.
Die Jury war beeindruckt von der Offenheit des Blickes eines jungen Filmemachers. Wir waren auch davon beeindruckt, dass Oliver Stiller ohne große finanzielle Unterstützung seinen Film realisiert hat. Man spürt „Esperanza“ sein Anliegen an: Manche Sachen dürfen nicht in Vergessenheit geraten, deshalb muss man ihnen die Aufmerksamkeit einer Kamera schenken. Und wie es im Vorspann zum Film heißt: „Lebend habt Ihr sie genommen, lebend wollen wir sie zurück.“

 

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