Jurybegründung
Cahier africain, ein afrikanisches Schulheft

Ein schlichter Titel für einen Dokumentarfilm, dessen erzählerische Vielschichtigkeit vielleicht am ehesten noch mit einem Roman oder einem großen Epos zu vergleichen sind. Wenn man einen, natürlich hinkenden, Vergleich zu einer anderen Kunstform bemühen will.
Jedenfalls ist es große dokumentarische Film-Kunst, was Regisseurin Heidi Specogna, Kameramann Johann Feindt und Cutter Kaya Inan in 119 Minuten ausbreiten.
Ausgangspunkt für den Film ist besagtes Schulheft, in dem Zeugenaussagen und Passbilder von 300 Mädchen und Frauen dokumentiert sind, die 2002 von Söldnern aus dem Kongo vergewaltigt und misshandelt wurden.
Auf dieses Heft stieß Heidi Specogna zufällig bei der Recherche in der Zentralafrikanischen Republik, und daraus wurden nicht weniger als sieben Drehjahre. Über diesen langen Zeitraum begleitet Specogna immer wieder einige dieser 300 Frauen und Mädchen, die dafür kämpfen, dass das an ihnen begangene Verbrechen vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag verhandelt wird.
Doch da bricht plötzlich ein neuer Krieg aus, der die Menschen überrollt und versprengt. Das Filmteam folgt ihnen, zeigt ihr Schicksal mit einer fast stoischen Schonungslosigkeit. So schonungslos wie eben die Realität ist, in die diese Mädchen und Frauen geworfen wurden.
Dabei werden die Menschen nie entwürdigt, nie ausgestellt. Sondern ihnen wird die Würde zurückgegeben, die ihnen mit Begriffen wie „Flüchtling“ im Mahlstrom der täglichen TV-News- und Polit-Talkshow-Maschinerie genommen wird.
Schon geht die Angst um vor der „neuen afrikanischen Flüchtlingswelle“, die da nun drohe. Eine reflexhafte Abwehr, eine Weigerung, sich mit der Realität in Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik differenziert auseinanderzusetzen.
Genau das aber macht die Regisseurin, mit unermüdlichem Einsatz, großem Einfühlungsvermögen und den Mitteln, die ihr als Dokumentarfilmerin zur Verfügung stehen.
Die Jury war vom Ergebnis, „cahier africain“, sehr beeindruckt und verleiht Heidi Specogna dafür den Deutschen Menschenrechtsfilmpreis in der Kategorie Langfilm.

 

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