Finale beim Deutschen Menschenrechts-Filmpreis

Vor mehr als 450 Gästen werden die diesjährigen Preisträger geehrt, Menschenrechte und deren filmische Kommentierung wichtiger denn je, Heribert Prantl: „Die Menschenrechte brauchen Heimat in Europa. Sonst ist Europa keine Heimat.“




Nürnberg, 10.12.2016 – Am Samstagabend wurden in der Nürnberger Tafelhalle der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis verliehen und an die sechs Preisträger*innen überreicht. Vor mehr als 450 Gästen aus Politik, Kirchen, Medien und Organisationen der Zivilgesellschaft nahmen die geehrten Filmemacher*innen die Ehrung entgegen. Damit fand die zehnte Wettbewerbsrunde ihren vorläufigen Höhepunkt.

Zuvor waren 385 Produktionen eingereicht worden, die sich mit einer enormen Bandbreite menschenrechtlich relevanter Themen befassen. Dabei nahm der Themenbereich von ‚Vertreibung/Flucht und Ankommen in Europa/Deutschland bzw. Integration von Geflüchteten‘ erwartungsgemäß eine zentrale Position ein. Darüber hinaus hatten sich die Filmemacher*innen nahezu allen aktuellen Fragen gestellt: von Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit über Zwangsarbeit und Lohnsklaverei bis zu Menschenhandel, Verschwindenlassen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Bürgerkriegsgebieten. Neben der Dokumentation von Kommentierung von Menschenrechtsverletzungen wurden aber auch ermutigende Beispiele von Menschenrechtsaktivist*innen und Beispiele gelingenden Menschenrechtsschutzes dargestellt.

„Ein starker Wettbewerbsjahrgang, der sich eine extreme außerordentliche Beharrlichkeit der Filmemacher*innen in der Behandlung ihres Themas, durch einen kritischen Blick auf die Situation der Menschenrechte auch in Europa und Deutschland – und vor allem durch eine sehr deutliche Haltung und Positionierung dieser Regisseur*innen in den gesellschaftlichen Diskursen auszeichnet“, so Marko Junghänel, Gesamtkoordinator des Wettbewerbs.

Für die Preisverleihung, die von Christoph Süß moderiert wurde, hatte der Veranstalterkreis Prof. Dr. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion und Leiter des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung als Gastredner eingeladen. In seiner Keynote mahnte er: „Man wird das 21. Jahrhundert, man wird Europa einmal daran messen, wie es mit den Flüchtlingen umgegangen ist. Man wird es daran messen, was es getan hat, um Staaten im Chaos wieder zu entchaotisieren. Man wird es daran messen, welche Anstrengungen unternommen wurden, um entheimateten Menschen ihre Heimat wiederzugeben.“ Gleichzeitig forderte er: „Die Menschenrechte brauchen Heimat in Europa. Sonst ist Europa keine Heimat.“

Zum Jubiläum des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises, der 1998 erstmals vergeben wurde, hatten zuvor auch Bundespräsident Joachim Gauck und der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz Grußworte übersandt und dem Trägerkreis des Wettbewerbs für ihr langjähriges und wirkungsvolles Engagement gedankt. Bundespräsident Gauck formuliert: „Mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis hat sich eine Ehrung etabliert, die ein Zeichen setzt gegen das Nicht-Sehen-Wollen; ein Zeichen gegen das, was in so vielen Ländern traurige Realität ist: die Verletzung menschenrechtlicher Grundfreiheiten.“

Die sechs Preisträger*innen bzw. deren Vertretung nahmen die Ehrungen dankbar entgegen und zeigten sich beeindruckt von der inhaltlichen Breite und Expertise des Veranstalterkreises des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises. Übereinstimmend betonten sie, dass ihnen mit diesem Preis insofern eine besondere Ehrung zuteilwird, weil der inzwischen bundes- und europaweit renommierte Preis von unabhängigen Organisationen ausgelobt und getragen wird. Das mache diesen Preis in besonderem Maße glaubwürdig.

Die Preisverleihung setzte ein beeindruckendes und gleichzeitig glanzvolles Finale der Wettbewerbsrunde. Aeham Ahmad, der als „Pianist in den Trümmern“ bekannt gewordene Musiker aus Syrien, hatte die etwa zweistündige Preisverleihung in der Tafelhalle begleitet. Ahmad, selbst Träger des Beethoven-Menschenrechtspreises, berichtete aus seiner Heimat und sein Anliegen, Hoffnung durch Musik in sein Land zurückzubringen. Er unterstütze daher auch Initiativen wie den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis, der beiträgt, Unrecht in der Welt sichtbar zu machen und Veränderungen einzufordern.

Nach der Preisverleihung wurden fünf der sechs Preisträgerfilme im Rahmen einer „Nacht des Menschenrechts-Films“ in der Tafelhalle gezeigt. Den Abschluss findet die Jubiläumsausgabe des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises am Sonntag (11.12.). Ab 10.30 Uhr wird im Nürnberger Kino Casablanca der Film „cahier africain“ von Heidi Specogna gezeigt. Specogna hatte am Samstagabend für diesen Film den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis in der Kategorie Langfilm entgegennehmen können.

Die Preisträgerfilme gehen nun auf eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und werden insgesamt 12 öffentlichen und kostenlosen Screenings gezeigt. Dazu werden jeweils die Filmemacher*innen eingeladen, die als Gesprächspartner*innen zur Verfügung stehen. Start der Tournee ist im Januar in Hannover.

Die nächste Wettbewerbsrunde wird im April 2018 starten – dann wird zum 11. Mal der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis ausgeschrieben werden, für den dann bis Ende August 2018 Produktionen vorgelegt werden können.

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis wird im Rhythmus von zwei Jahren vergeben und aktuell von 18 Veranstaltern getragen, darunter bundesweit tätige Organisationen der Menschenrechts-, Bildungs-, Kultur- und Medienarbeit, religiöse und kirchliche Organisationen sowie kommunale Einrichtungen. Zudem unterstützen Verbände und Einzelpersonen den Filmwettbewerb.

 

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Deutscher Menschenrechts-Filmpreis, Marko Junghänel (Gesamtkoordination)
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junghaenel[a]menschenrechts-filmpreis.de, www.menschenrechts-filmpreis.de

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