Jurybegründung:
Kindersklaven
Bilder, die unter die Haut gehen: das blinde Auge eines Jungen, der ohne Schutzbrille Schweißarbeiten verrichten musste, die verkrüppelt zusammengewachsenen Knochen seines Armes. Es gab niemanden, der sich um das Kind kümmerte, als es sich bei der Arbeit verletzte.
Das Schicksal des Jungen ist nur eines von vielen. Die Autoren Rebecca Gudisch und Tilo Gummel machen sich auf die Suche nach Kinderarbeit und Kindersklaverei in In-dien. Es ist nicht das Indien Bollywoods, der goldenen Tempel und der boomenden Computerindustrie. Es ist das Indien, in dem sehr viele Menschen immer noch so arm sind, dass sie ihre Kinder unter falschen Versprechungen für eine angeblich bessere Zukunft skrupellosen Sklavenhändlern überlassen oder sie gar für ein paar Rupien ver-kaufen.
Doch der Film belässt es nicht bei Mitleid und Empörung über die schlimmen Zustän-de. In einer detektivisch anmutenden Recherche fahndet er nach den Schuldigen dieser Verbrechen. Und die Spuren führen auch nach Deutschland zurück, wo zum Beispiel auf dem Kölner Heumarkt Pflastersteine verlegt sind, die von indischen Kindersklaven unter unmenschlichen Bedingungen im Steinbruch geschlagen wurden. Die deutschen Importeure der Steine zeigen sich betroffen. Es bleibt jedoch die Frage, ob sie nicht doch wissen könnten und sollten, dass die von ihnen vorgewiesenen indischen Zertifi-kate, ihre Produkte seien nicht von Kindern hergestellt, mehr als fadenscheinig sind.
Dem Film gelingt es trotz der bedrückenden Schilderung des Leidens der betroffenen Kinder nicht beim Entsetzen über das Böse in der Welt hängen zu bleiben. Das Film-team macht sich unter schwierigen Bedingungen mit falschen Identitäten und versteck-ter Kamera auf den Weg und zeigt damit auch jungen Menschen, dass es sich lohnt, aufzubrechen, um Missstände aufzudecken und zu ändern.
Der Film zeigt auf eindringliche Weise, dass das Unrecht nicht nur in fernen Ländern geschieht und wir nicht in der Position des gerührten Zuschauers verharren dürfen, sondern dass die Frage nach Schuld und Verantwortung vor unsere Haustür führt.
Deshalb meinen wir, leistet dieser Film einen Beitrag zur Bildung junger Menschen: Damit sie hinsehen lernen und nicht wegschauen, damit sie lernen, Mitgefühl zu ent-wickeln und Verantwortung zu übernehmen. Damit sie nicht beschwichtigenden Äuße-rungen zu leichtfertig Glauben schenken. Damit sie nicht mutlos werden, sondern ler-nen, dass beherztes Engagement etwas verändern kann. Damit sie lernen, was Men-schenwürde heißt – ganz konkret für jeden Menschen, für jedes Kind auf dieser Welt.


